chris & phölöpp

Chris und die Mongolei

In Uncategorized on Juni 26, 2011 at 2:01 pm

Da ich ja doch noch nicht zu Hause bin und Familie und Freunde ja immernoch das Recht haben zu erfahren ob ich noch lebe und was eigentlich bei mir los ist, habe ich mich dazu entschieden mal wieder einen Blogartikel zu schreiben. Auch scheint der Titel des letzten Eintrags „Ende“ bei so manchem Verwirrung gestiftet zu haben.

Also erstmal: wir sind immernoch unterwegs. Nur eben nicht mehr zuzweit. Ich bin gerade noch in der schoenen Mongolei und Philipp vielleicht noch in Norwegen. Dazu kann ich aber aus angegebenem Grund der Splittung keine naehere Auskunft geben.

Nun moechte ich los werden was seit Peking bei mir geschah. Das Visum fuer die Mongolei bekam ich noch planmaessig, wenn auch auf den letzten Druecker. Dann stieg ich in Peking in den Zug und an der chinesisch mongolischen Grenze wieder aus. Die Fahrt ging mehrmals vorbei an der sich entlangschlaengelnden Chinesischen Mauer, ich hab sie aber leider komplett verpasst da ich mich mit einem anderen Fahrradreisenden aus England unterhalten habe. Die Mauer teilt seit jeher das Gebiet der Nomaden von dem der chinesischen Bauern ab. Dementsprechend verlaeuft sie ueber Berge die die Grenze zwischen gruener Landschaft und Wueste bilden.

An der Grenze angekommen war mein Chinavisum eigentlich schon abgelaufen. Hinzu kam, dass es an dem Tag meiner Grenzueberquerung Demonstrationen in der Inneren Mongolei (Provinz im Norden Chinas in dem ich mich befand) gab und die Grenze den ganzen Tag geschlossen blieb. Das war erstmal schoen da an der Grenze zu stehen und von der Polizei gesagt zu bekommen: nix da. Und natuerlich ohne Erklaerung da sie ja kein Englisch sprechen, mit der Information ich solle morgen nochmal wiederkommen.

Am naechsten Tag war aber wieder alles offen und ich konnte passieren. Naja nicht ganz ohne Probleme. Den Kilometer Niemandsland an der Grenze darf man naemlich nur motorisiert bewaeltigen. Also musste ich mein Rad in einen schon vollen Transporter stopfen, dass ging aber ueberraschend problemlos.

Dann war ich in meiner ersten mongolischen Stadt, Zamyn Uud. Naja eigentlich eher Ort, Staedte gibt es im Prinzip nur eine in der Mongolei, und das ist Ulan Bator. Bis dahin lagen 750 km Gobiwueste vor mir. Vorher hatte ich natuerlich ein paar Informationen eingeholt. Nicht alles klang beruhigend. So sollte es nur 2 Staedte auf dem Weg geben, wo man Nachschub an Essen und Trinken besorgen kann und 500 km sollten unbefestigte Pisten aus Sand, Schotter und Stein sein und nur die letzten 250 km schoen geteert. Dementsprechend war ich ausgeruestet mit 15l Wasser (viel mehr als am Ende benoetigt) und mindestens 5 kg Essen. Das hat man schon gemerkt, wenn man ab und zu das Rad fast durch den Sand tragen musste und schon allein der Wind fuer genuegend Gegenkraft gesorgt hat.

Ausgesprochen entschaedigend war es, gleich in den ersten Tagen jede Menge einzeln in die Landschaft gestellt Jurten zu sehen. Ausserdem Tiere wie Pferde, Kamele, Kuehe, Schafe, Antilopen und einen traditionell gekleideten Reiter der einfach aus dem nichts angeritten kam. In der flachen ewigweiten Ebene schien man trotz vielem Nichts doch immer auch eine Herde oder eine Jurte irgendwo zu erblicken. Dazu kam die Stille und hoechstens ein Jeep pro halber Stunder. Nachts ein gigantischer Sternenhimmel und schoene rote Sonnenauf- und Untergaenge.

Ausserdem kam ich gut voran und war schon am dritten Tag an meinem ersten Checkpoint Sainschand angekommen. Dort wollte ich schlafen, die Hotels waren mir mit 15Euro aber zu teuer. Ich fuhr herum und bald sollte sich mir schon das erste Mal die grosse mongolische Gastfreundschaft offenbaren. Ich wurde naemlich von einer Familie eingeladen bei ihnen zu uebernachten. Dazu gehoerte dann auch jede Menge frisches Essen (vor allem Fleisch), herumkutschiert werden mit dem Auto und der Besuch in einer Jurte der Tante. Der Tag war vollgestopft mit schoenen Begegnungen und Erlebnissen und am naechsten Tag war ich schon wieder abfahrbereit.

Auf dem Weg nach Choir, dem 2. Checkpoint fuehlte ich mich immer schwaecher. Die Waerme war mir zu warm und der Wind zu windig und ich war erschoepft. Als ich dann noch von einem Sandsturm aufgehalten wurde nach einem kleinen Ort war ich sehr froh als mich wiedereinmal jemand mitnehmen wollte. Die letzten 60km nach Choir wurde ich von einem Buskonvoi gefahren. Die 6 koreanischen Busse sollten nach Ulan Bator gebracht werden um fuer den mongolischen Verkehr wieder einsatzfaehig gemacht zu werden. Sie waren nicht wirklich gemacht fuer die Wueste und allein auf dem kurzen Stueck blieb einer im Sand stecken und ein anderer Bus brauchte fast 2h um ihn wieder herauszuziehen.

In Choir wurde ich wieder von einer Familie aufgegabelt. Die Eltern haben die letzten 8 Jahre in Stuttgart gelebt, sprachen dementsprechend gut Deutsch und bauen gerade einen Pub und ein kleines Guesthouse auf. In dem unfertigen Gasthaus durfte ich 2 Tage lang kurieren. Dann sollten die Handwerker kommen. Mir gings noch nicht wirklich wieder gut also ging ich noch 2 Tage in ein anderes Hotel. Ich hatte Fieber und konnte nicht wirklich essen. An dem 4. Tag kamen Abends Robin und Philipp an und statteten mir einen Besuch ab. Sie beschlossen am Morgen nochmal wieder zu kommen. Das taten sie und halfen mir dabei ein Taxi nach Ulan Bator zu ordern, sodass ich ins Krankenhaus gehen kann. Das Taxi fuer die 230km kostete gerade einmal 20Euro! Aber es war natuerlich verdammt unschoen gerade die geteerten Kilometer gefahren zu werden und die langsam gruener und huegeliger werdende Landschaft nicht selbst erleben zu koennen.

In Ulan Bator, kurz UB angekommen brachte mich mein Fahrer direkt zum teuren Krankenhaus mit westlichem Standart. Dort intravenierte man mich erstmal mit Kochsalz und Vitaminen voll. Die Untersuchungen ergaben fuer den Arzt einfach, dass ich unter Dehydrierung leide. Obwohl ich jeden Tag 4 l Wasser getrunken habe. Jetzt ruhte ich mich nochmal 2 Tage aus und dann erreichten mich wieder Robin und Philipp.

Mir gings langsam wieder besser und ich zog mit zu ihrem interessanten Couchsurfing Host. Dann mussten wir auf unser schwierig beantragtes Russlandvisum warten und fuhren 5 Tage durch den Terelj Nationalpark. Darueber kann wer will auf dem Blog http://my.opera.com/LeckerLakritz/blog/ nachlesen. Empfehlenswert ist ein Blick auf die Seite fuer Radeltourinteressierte ohnehin.

So und jetzt gerade sind die 2 auf dem Weg zur russischen Grenze um in die Transsibirische Eisenbahn nach Moskau einzusteigen. Das ist auch mein Plan gewesen, aber richtig fit scheine ich noch nicht wieder zu sein. So fuhr ich mit ihnen vor 3 Tagen los, musste aber schon gestern nach Ulan Bator zurueckkehren. Fuer die Beantragung des Russlandvisums (wir bekommen als Deutsche nicht mehr als ein 8 Tages Transitvisum in Ulan Bator, wir haben alles probiert) mussten wir ohnehin ein Zugticket von hier aus bis nach Moskau buchen. Also steige ich in 2 Tagen hier in den Zug und treffe Robin und Philipp dann 10 h spaeter an der Grenze wieder. Aber ich haette eben lieber noch mehr vom Land gesehen, anstatt weiter in dieser westlich anmutenden Stadt rumzuhaengen.

Schon ein Drittel der Bevoelkerung der gesamten Mongolei lebt in UB (rund 1,3 Mio), konzipiert war die Stadt aber nur fuer 200 000 Menschen. Das fuehrt zu einigen Problemen, wie u.a. einem staendigen Stau zwischen 9 und 20 Uhr auf allen grossen Strassen der Stadt (durch den man sich per Rad elegant hindurchschlaengeln kann) und eine starke Umweltbelastung im Winter durch zigtausende rauchende Schornsteine unter denen schlechte Braunkohle aus einer nahegelegenen Miene verbrennt. Ansonsten gilt die Mongolei als eines der Laender mit der intaktesten Natur der Welt.

Schoen war die Mongolei fuer mich trotz all der Krankheit. Nun bleiben nach so vielen Monaten Asien nurnoch wenige Tage und dann bin ich zurueck in Europa. Ein sehr komisches Gefuehl so schnell zu reisen, obwohl die Zugfahrt fuer den Ottonormalflieger natuerlich eine langwierige Angelegenheit darstellt.

Ich werde wieder berichten oder auch nicht, aber wenn, dann aus dem Heimatkontinent. Bilder von der Mongolei versuche ich bis zur Zugfahrt in 2 Tagen noch hochzuladen, damit man einen Eindruck von diesem wirklich einem Besuch wert seiendem Land bekommen zu koennen.

Christianheimallein

  1. Sehr schöner Bericht, vielen Dank! Das klingt nach einem richtigen Abenteuer, vielleicht kommst du ja noch einmal zurück und kannst dann noch mehr vom Land sehen.

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